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Startseite Ein Gespräch
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Rudolf Holtappel, der Fotograf aus Oberhausen, bekannt für seine ausdrucksstarken Schwarzweiß-Fotografien, die in ungezählten Ausstellungen und Büchern zu finden sind, plauderte mit uns am 2. November 2004 über sein Leben und Wirken als Fotograf. Wir erhielten das Bild des Menschen Holtappel, der neben guten Fotos auch noch reichhaltig Stoff für mehrere Bücher liefert.
Angefangen habe alles mit einer kleinen Kamera, in die man noch Bildplatten stecken und zum Entwickeln beim Drogisten vorbeischauen musste. Da war Holtappel 11 Jahre alt. "Meine erste Kamera war eine Box 4 1/2 * 6 mit Platten und Mattscheibe. Damit habe ich die Kirche in Rupppichteroth während einem Schullandheimaufenthalt fotografiert.". Seine Jugend verbrachte er in Meiderich.
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Die Frage nach seiner besten oder wertvollsten Kamera kann er nicht beantworten. "Alle Kameras waren nur Mittel zum Zweck. Die Technik hilft dem Menschen, allerdings steht das wichtigste Teil bei einer Aufnahme immer noch hinter der Kamera." So verwundert es auch nicht, dass nur wenige Aufnahmen in Farbe entstanden. Die Unzulänglichkeiten der damaligen Farbfotografie mit all ihren negativen Erscheinungen ließen Holtappel zum großen Teil schwarzweiß fotografieren. "Mal waren die Bilder unscharf oder mit flauen Farben. Obwohl ich seinerzeit einen speziellen Agfa-Farbfotografie-Kurs besuchte, der einen erst zum Farbbildfotograf legitimierte, waren die Laborergebnisse oft nicht befriedigend. Die Technik war nicht ausgereift." So beschränkte sich Holtappel auf kontrastreiche Schwarzweiß-Aufnahmen.
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Eine Auswahl der Kameras, mit denen Holtappel im Laufe der Zeit fotografierte: 2-äugige Rollei Flex, Rollei Chord, Leica M2/M3/M6, Hasselblad, Nikon F90 / 801. Besonders schätzt er dabei die Leica, eine Messsucherkamera, die einen unschlagbaren Vorteil hat: sie ist sehr leise und damit für Theaterfotografien besonders prädestiniert. Auch ihre handliches Format und die Bildqualität begeistern Holtappel "man kann sehr leicht Schnappschüsse machen, ohne dass man dabei bemerkt wird. Ihr Blendenverhalten sowie die Schärfe sind optimal."
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Die Fotolehre absolvierte er bei Rudolf Lindemann, ein bekannter und vor nicht allzu langer Zeit im Alter von fast 100 Jahren verstorbener Fotograf. Die Meisterprüfung machte er 1950 in Düsseldorf. 1952 und 1958 war Holtappel freier Fotograf im Oberhausener Theater. Von 1964 bis 1995 fotografierte er bei Karstadt für das "Karstadt-Magazin" und die Mitarbeiterzeitung "Wir". Die Eröffnung vieler Karstadt-Filialen begleitete er fotografisch. Rudolf Holtappel war fast in der ganzen Welt unterwegs. Amerika und Europa hat er bereist, Teile von Nordafrika. Selbstverständlich waren seine Kameras immer im Gepäck.
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Seine Wahlheimat Oberhausen hat er in mehreren Bildbänden zusammen mit honorigen Autoren fotografiert. "Mir hat Oberhausen gut gefallen.", so begründet er seinen Entschluss, in Oberhausen zu leben. Eigentlich wollte er "nur" für das Theater Oberhausen fotografieren, aber ein Zufall wollte es, dass Holtappel in Oberhausen eine Wohnung fand und bis zum heutigen Tag hier lebt. Ab 1974 bis 2001 fotografierte er für die Werkszeitung von Henkel. In diese Zeit fallen seine umfangreichsten Industrieaufnahmen. Später übernahm Henkel das komplette Archiv von Holtappel. Seine Fotos waren einige Jahre auch in der von der Ruhrgas herausgegebenen "Tag und Nacht" zu finden.
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"Ich gehe auf Jagd nach den Motiven", so Holtappel auf die Frage, wie er an ein Motiv herangeht. Zufälliger Schnappschuss? Geschickte Inszenierung? Wenn man Holtappels Bilder betrachtet findet man beides: ein Motiv, wie zufällig inszeniert mit einer Geschichte zum Nachdenken. Jedes seiner Motive hat eine kleine Geschichte oder zumindest einen Leitfaden. Zu jedem Bild kann Holtappel etwas erzählen und erklären. Nein, das sind nicht nur Fotos, Holtappels Bildergeschichten sind Meisterwerke, geschickt ausgearbeitet. Oft besucht er mehrmals ein Motiv, um alle Komponenten aufeinander abzustimmen. Licht, Schatten, Wolken. Jedes Detail kann wichtig sein. Allen Bildern von Holtappel ist eins gemein: sie haben eine Form, Gestaltung oder aber eine Erzählung.
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"Gestaltete Bilder, nicht die 'Mussbilder', sind meine Kinder", so der Fotograf. Nur wenige Werkverträge hat er gehabt, Auftragnehmer und -geber kannten einander und hatten gegenseitiges Vertrauen. Die freie künstlerische Arbeit verfolgt er auch mit seiner seit 1964 regelmäßig zum Jahresende entstehenden Neujahrskarte, die er im privaten Kreis und an seine Kunden verschickt. Langformatige Karten mit gestalteten Bildern, die bei Sammlern jetzt schon hoch im Kurs stehen.
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Mehrere Themenfotografien schuf Holtappel, so z.B. die Serie "Fundsachen", wo er gefundene Gegenstände, wie eine elektrische Stoppuhr oder auch Baumblätter, geschickt inszenierte und abfotografierte. "Farbe und Film haben mich nie besonders interessiert". Bewegte Bilder wirken verwaschen, lenken ab vom wesentlichen. Wie anders erscheint da doch ein kontraststarkes Motiv, eingefroren auf einem schwarzweißen Bild. Gerne widmet sich Holtappel beinahe längst vergessenen Fotografie-Künsten. Ein aktuelles Thema ist für ihn die sogenannte künstlerische Fotografie. So beschäftigt er sich heute u.a. mit dem Verfahren der Cyanotypie (Eisenblaudruck). Das Verfahren wurde 1842 von dem englichen Astronom Sir John Herschel zum ersten mal beschrieben.
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Seinen 10000 Schwarzweiß-Film feierte Holtappel in der Oberhausener Kneipe Puppenstübchen. "Inzwischen habe ich aufgehört zu zählen." Ein Höhepunkt seiner Karriere war seine Berufung in die Deutsche Gesellschaft für Photografie. Auch in anderen Verbänden ist Holtappel aktiv. Inzwischen hat er beispielsweise für 40 Jahre Mitgliedschaft im DJV die goldene Nadel erhalten.
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Auch Missgeschicke passieren: ein Jahr, nachdem Holtappel den 1. Preis für Wirtschaftsfotografie erhielt, reichte er erneut eine Fotoserie ein, die eine "Karstadt-Hauptversammlung hinter den Kulissen" zum Thema hatte. Leider vergaß er dabei, die für die Anmeldung erforderliche schriftliche Genehmigung des Karstadt-Vorstands mit in den Umschlag einzulegen. So kam diese sicherlich hervorragende Fotoserie nicht zur Wertung.
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Zum Schluss des Gesprächs überrascht uns der inzwischen 81 Jahre junge Holtappel mit den Worten: "Ich würde gern mit Computern etwas machen, aber nicht um Bilder digital zu bearbeiten..." Nach einer kurzen Pause fügt er mit einem verschmitzen Lächeln hinzu "...sondern für Ebay."
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Rudolf Holtappel für den schönen Abend und das sehr interessante Gespräch.
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Veröffentlichung der Fotos mit freundlicher Genehmigung von Rudolf Holtappel. |
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Alle Fotos Copyright © Rudolf Holtappel. Die Fotos dürfen nicht weiterverwendet werden. Eine direkte Verlinkung auf die Fotos ist nicht erlaubt. |
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