Chronik der Gießerei Sellerbeck (3)
Wieder aufwärts
Als die Sorgen um Rohmaterial und Energieversorgung nach der Währungsreform behoben waren, ging die Entwicklung des Werkes schnell wieder aufwärts. Rationalisierung in allen Erzeugungsstätten führte zu Leistungssteigerungen und beträchtlichen Arbeitserleichterungen.
Im Jahre 1950 wurde das später zu vollendende neue Bürogebäude eingeschossig begonnen und in ihm ein neues Laboratorium eingerichtet, das sämtliche für die Stahlgießerei notwendigen Bestimmungen ermöglicht. Das neue Verwaltungsgebäude wurde im Frühjahr 1957 fertiggestellt, so daß das Unternehmen nunmehr über ausreichende und zweckmäßige Büroräume verfügen kann. In den Jahren 1953 bis 1955 schuf das Werk eine aus zwei Abteilungen bestehende mechanische Werkstatt und förderte auf diese Weise die Liefermöglichkeiten von fertig bearbeiteten Ersatzteilen aus Stahlguß an die Verbraucher, vor allem an die Bergbau- und Hüttenindustrie. Soweit es der jetzt eng bebaute Stadtteil zuließ, versuchte Walter Sellerbeck, wo irgend möglich, weitere angrenzende Grundstücke zu kaufen und so für sein Werk Raum zu schaffen. Das Werk verfügt heute über ein Areal von 8 307 qm mit einer bebauten Fläche von 4 548 qm.
Das Verwaltungsgebäude
Zwischen der Betriebsleitung und der heute 160 Köpfe starken Belegschaft besteht engste Verbundenheit. Wenn in der Firma Hermann Sellerbeck auch in den schlechtesten Jahren stets mit frischem Mut geschafft worden war, wenn sich alle Mitarbeiter stets mit den Zielen ihrer Firma eins gefühlt hatten, so nicht zuletzt deshalb, weil die soziale Einstellung der Firmeninhaber in vielen Maßnahmen immer zu spüren war.
Eine besondere Freude für die Belegschaft war es, als Walter Sellerbeck 1953 seinen Mitarbeitern für Erholungszwecke das Jagdhaus "Wildenstein" zur Verfügung stellte.
Ein wechselvolles Schicksal erlebte das Unternehmen in den hundert Jahren seines Bestehens. Zähem Fleiß und beharrlicher Ausdauer des Gründers und der Inhaber, umsichtiger, teils vorsichtiger, teils wagemutiger Planung der Geschäftsleitung und geschickter Anpassung an den technischen Fortschritt, nicht zuletzt der Treue und Schaffenskraft einer stetig wachsenden Belegschaft gelang es, das Unternehmen zu seiner heutigen Bedeutung zu entwickeln.Es spricht alles dafür, daß dieser günstige Kurs eingehalten und daß das Unternehmen, wie bisher, an seiner Stelle seine Aufgabe im Dienste der Technik und Volkswirtschaft befriedigend lösen wird.
Die Produktion heute
Die Höchstleistung des Siemens-Martin-Ofens beträgt heute bei einem Fassungsvermögen von 4 000 kg täglich 16 bis 18 t. Bei voller Kapazitätsausnutzung können mithin monatlich 400 bis 500 t flüssigen Stahls erzeugt werden, was einer Versandleistung von etwa 250 t fertiger Gußstücke entspricht.
Die Fabrikation erstreckt sich auf Stahlgußstücke von 10 kg bis zu einem Stückgewicht von etwa 3 000 kg und Stückgrößen bis zu 2 300 mm Durchmesser bzw. 3 200 mm Länge und 1 500 mm Breite.
Je nach dem Verwendungszweck werden die Teile unbearbeitet geliefert oder in der Werkstatt, die alle normalen Dreh- und Bohrarbeiten ausführen kann, einbaufertig bearbeitet. Entsprechend den von den Kunden an den Werkstoff gestellten Anforderungen werden die Gußstücke in allen Normal- und Sondergüten nach DIN 1681 und in den niedrig legierten Qualitäten nach DIN 17 245 gegossen. Eine Spezialität des Werkes sind die legierten Sonder-Stahlqualitäten "Solid" (Mangan-Silizium-Stahlguß) und "Solid-Extra" (Chrom-Mangan-Silizium-Stahlguß). Diese Qualitätsstähle bewähren sich besonders dort, wo neben hoher Verschleißfestigkeit eine gute Zähigkeit verlangt wird. In kleineren Abmessungen und Stückgewichten stellt das Werk auch 12 bis 14prozentigen Mangan-Hartstahlguß her. Die einzelnen Gußstücke werden nach Modell oder nach Schablone gearbeitet. Zu den Abnehmern der "Gußstahlwerk Hermann Sellerbeck K.G." zählen vornehmlich Maschinenfabriken, Zahnradfabriken, Bergbau und Nebenbetriebe, Hüttenwerke, Hafenbetriebe, Schiffswerften und Straßenbau.
| 1833 | Hermann Sellerbeck geboren |
| 1857 | Gründung der Firma |
| 1864 | Emil Sellerbeck geboren |
| 1867 | Einrichtung einer Eisengießerei |
| 1877 | Einrichtung einer Tempergießerei |
| 1887 | Einrichtung einer Stahlgießerei |
| 1893 | Walter Sellerbeck geboren |
| 1898 | Emil Sellerbeck wird Inhaber |
| 1908 | Stahlgießerei erweitert |
| 1918 | Hermann Sellerbeck gestorben |
| 1927 | Walter Sellerbeck übernimmt die Firma |
| 1931 | Stillegung |
| 1934 | Wiederinbetriebnahme und Gründung der "Gußstahlwerk Hermann Sellerbeck K.G." |
| 1944 | Vollständige Zerstörung der Gießerei |
| 1945 |
Emil Sellerbeck gestorben. Beginn des Wiederaufbaues |
| 1948 | Gerhard Witting wird Schwiegersohn Walter Sellerbecks und |
| 1949 | Prokurist der Firma |
| 1952 | Gründung der Kommanditgesellschaft mit Else Sellerbeck und Erika Witting geb. Sellerbeck |
| 1955 | Gerhard Witting wird Kommanditist |
| 1957 | 100 Jahre Sellerbeck |
- Quelle: 100 Jahre Sellerbeck - Gußstahlwerk Hermann Sellerbeck K.G. Oberhausen
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