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Gußstahlwerk Sellerbeck


Von der Hufschmiede zum Gußstahlwerk

Ein Beispiel dafür, wie sich aus einem kleinen Handwerksbetrieb ein bedeutendes Fabrikunternehmen entwickelt, ist das Gußstahlwerk Hermann Sellerbeck. Über 140 Jahre sind es her (1864), daß der Hufschmied Hermann Sellerbeck, ein Bauernsohn, eine Huf- und Wagenschmiede eröffnete. Die schnelle Entwicklung des Bergbaues in Oberhausen vor der Jahrhundertwende war für den Handwerksmeister der Anstoß, Förderwagen herzustellen. Damals bestanden die sog. "Hunde" aus Holz in einem eisernen Rahmen. Aber bald traten eiserne Förderwagen an ihre Stelle, weshalb 1867 dem Betrieb eine Eisengießerei angegliedert wurde, die sich 10 Jahre später zu einer Tempergießerei entwickelte.

Den erhöhten Anforderungen des Bergbaues suchte man gerecht zu werden durch den Bau einer Stahlgießerei, in der neben Zubehörteilen zu Förderwagen auch Maschinenteile verschiedener Art (Gleisanlagen, Transportapparate, Kohlenwäsche u. a.) gegossen wurden.

Zu Beginn des ersten Weltkrieges hatte sich das Werk zu einer ausgesprochenen Stahlformgießerei entwickelt. Der flüssige Stahl wurde in einem Siemens-Martin-Ofen geschmolzen (s. Stahlherstellung). Bei voller Ausnutzung konnte eine Monatsleistung von 400 t flüssigem Stahl erzielt werden. Das entspricht einer Versandleistung von 250 000 kg fertiger Gußstücke im Monat. Hergestellt wurden Stahlgußstücke bis zu einem Stückgewicht von 3000 kg aus allen Stahlsorten. Abnehmer waren die westdeutsche Maschinenindustrie für Rohgußstücke und der Bergbau für fertig bearbeiteten Guß. Für diesen Zweck wurde 1955 eine moderne Werkstatt eingerichtet. Die Prüfung der Rohstoffe und Fertigerzeugnisse wurde im chemischen und physikalischen Laboratorium nach neuzeitlichen Gesichtspunkten durchgeführt.

Das Werk beschäftigte 1964 noch 150 Arbeiter und Angestellte. Der damalige Inhaber Walter Sellerbeck war der Enkel des Gründers.


Chronik der Gießerei Sellerbeck Am 1. Januar 1833 wurde Hermann Sellerbeck, der Gründer des Gußstahlwerkes, in Mülheim-Mellinghofen geboren. Die Sellerbecks waren Bauern und seit langem in Mülheim-Mellinghofen ansässig. Hermann Sellerbeck erlernte das Handwerk eines Huf- und Wagenschmiedes, weil sein ältester Bruder, Johann, den Hof erben sollte. Am 10. März 1859 heiratete er Helene Knevels aus Mülheim-Speldorf. Im Jahre 1857 machte er sich selbständig...