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Wer in Oberhausen kannte sie nicht? Die VA-Läden, 24 an der Zahl, davon allein acht Supermärkte, VA-Märkte! Verstreut über das ganze Stadtgebiet, in den Stadtkernen von Alt-Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld ebenso wie in den Wohnbezirken, und hier vor allem. Aber wer weiß schon, daß die VA mit einem Umsatz von rund 30 Millionen DM 1966 das größte Lebensmittel-Filialunternehmen Oberhausens überhaupt war?

Erster GHH-Konsum vor über hundert Jahren eröffnet

Verkaufsanstalt IV, 1910

VA steht für „Verkaufsanstalten Oberhausen GmbH“. Und wir haben in „Blick ins Werk“ in den letzten Jahren immer wieder neu errichtete oder umgestaltete VA-Läden vorgestellt. Denn die „Verkaufsanstalten“ gibt es unter dieser Bezeichnung offiziell zwar erst seit 14 Jahren. Aber sie sind im Grunde nichts anderes als der alte Hütten-Konsum, die Verkaufsanstalten der Gutehoffnungshütte. Die erste dieser Konsum-Anstalten wurde vor genau hundert Jahren, am 8. Februar 1867, eröffnet …
Es war Anfang des Jahres 1867, als sich die Leitung der GHH mit einigen Kaufleuten zusammensetzte und beschloß, den „Consum-Verein Gute Hoffnung“ zu gründen. Natürlich gab es schon Läden damals und den Wochenmarkt, wo man all das einkaufen konnte, was man zum täglichen Leben brauchte: Brot undAber zu welchen Preisen! Diese Preise sollte der Konsum-Verein brechen. Seine Waren sollten preiswert sein. Und sie waren es.

In einer Reihe sozialer Einrichtungen

GHH-Konsum Vondern

Nun war diese Einrichtung, die jetzt ihr hundertjähriges Bestehen begeht, in der Geschichte der GHH nichts sonderlich Neues. Sie reiht sich ein in die Einrichtungen und Maßnahmen, die sich bis in die Anfänge der „Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen“, der heutigen Gutehoffnungshütte, zurückverfolgen lassen. 1808 wurde die Hüttengewerkschaft gegründet. Seit dieser Zeit sind in unserem Archiv die Geschäftsbücher erhalten. Und schon 1809 finden wir darin Ausgaben zur Versorgung kranker Arbeiter verzeichnet. Wenn Not am Mann war, griff die „Hütte“ ein. So gab es 1818 für die Arbeiter der Hüttengewerkschaft in Sterkrade eine „Brod- und Speiseanstalt“, 1846 beim Walzwerk Oberhausen eine Speiseanstalt „zur Linderung der durch die Teuerung verursachten Notlage“. Es waren die Jahre der „großen Teuerung“, die Jahre 1845, 1846, 1847. Die werkseigene Kornmühle in Sterkrade lieferte Roggen- und Buchweizenmehl zum Einkaufspreis. Zum Einkaufspreis gab es auch Schwarzbrot, Kartoffeln, Butter und Speck. Und die Speiseanstalt sorgte gegen geringes Entgelt für ein „kräftiges Mittag- und Abendessen“: das bedeutete damals: 250 bis 500 Gramm Fleisch und dazu eine gehörige Portion Schwarzbrot. Auch die damalige Schiffswerft in Ruhrort versorgte im Krisenjahr 1847 ihre Arbeiter mit Suppen — eine Einrichtung übrigens, die später von der Gemeinde Ruhrort zur Verpflegung der Arbeitslosen nachgeahmt wurde. 200 Scheffel, das sind l00 Tonnen, Roggen wurden damals – gegen Ende der Teuerung – von der „Hütte“ zu Broten von je 14 Pfund verbacken und an die Hüttenarbeiter und an Arme ausgegeben. Die Arbeiterunterstützungskasse, die erstmals 1832 erwähnt wird, und die erste werkseigene Wohnsiedlung von 1844 sollen hier nur kurz genannt sein. Sie passen eigentlich nicht hierhin – aber sie gehören mit zu dem Hintergrund, gegen den man die Entstehung des „ConsumVereins“ sehen muß.
Die rasch anwachsende Industrie, die große Zahl der Menschen, die in dieses Gebiet hineinströmten, sie schafften soziale Probleme, die gelöst werden mußten. Und sie wurden gelöst, schon sehr früh, wie wir gesehen haben. Sie wurden gelöst von dem Unternehmen, lange bevor die Gemeinde, bevor der Staat die notwendigen Einrichtungen schuf.
Die GHH wuchs, die Zahl der Beschäftigten stieg, und mit ihr die Zahl der Konsum-Läden.Standen die Geschäfte zunächst allen offen, so mußten sie kraft Gesetzes 1896 den Verkauf auf die Werksangehörigen einschränken. Das blieb so bis 1939 als bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit den Lebensmittelkarten und der damit verbundenen freien Einkaufswahl die Geschäfte wieder jedermann zugänglich wurden.

Verkaufsanstalten Oberhausen GmbH

Den wesentlichsten Einschnitt in der hundertjährigen Geschichte des GHH-Konsums aber brachte das Ende des Zweiten Weltkrieges. Die GHH mußte auf Anordnung der Siegermächte entflochten werden. Hüttenwerk und Bergbau wurden aus dem Unternehmen ausgegliedert. Aus dem GHH-Konsum wurde die „Verkaufsanstalten Oberhausen GmbH“, an der HOAG – in ihr sind Hütte und Bergbau zusammengefaßt – und GHH als Gesellschafter beteiligt sind.Heute erinnert kaum noch etwas an den „Consum-Verein“ von damals. Anstelle der kleinen Läden mit Schalterausgabe sind lichtdurchflutete Selbstbedienungsläden getreten. Aber damals wie heute ist das Warenangebot nicht auf Lebensmittel beschränkt – heute allerdings mit einem Sortiment von 1200 Artikeln in den Läden, von 2500 Artikeln in den VA-Märkten. Und ein weiteres hat sich nicht geändert in den hundert Jahren: der Leitsatz, den Kunden gute Ware preiswert anzubieten – ein Leitsatz, der auch über dem jetzt beginnenden neuen Jahrhundert der Verkaufsanstalten stehen wird.


Träger der Tradition der ältesten GHH-Verkaufsanstalt, die vor hundert Jahren eröffnet wurde, war dieses Haus in der Sterkrader Bahnhofstraße, das 1961 dem Räumbagger zum Opfer fiel.