Damals in Oberhausen - Die Lichtspiele Osterfeld
Lang, lang ist's her! 1897 wurde im Berliner Wintergarten der erste Film vorgeführt. Kurz nach der Jahrhundertwende gab es in Osterfeld schon zwei „Flohkinos". 1912 erkannte dann der Gastwirt Johann Husemann die Zeichen der Zeit und eröffnete in einem Saal an der Bottroper Straße die „Lichtspiele".
Die Kinounterhaltung zu dieser Zeit sah dann so aus: Im Kino „Lichtspiele" wurde zunächst nur samstags und sonntags gespielt. Das Publikum saß an Tischen und in den Pausen wurde Bier ausgeschenkt. Und Pausen gab es viele während einer Vorstellung! Ein Programm umfasste 10 bis 12 Filme mit einer Laufzeit von 6 bis 10 Minuten. In der Vorführkabine stand ein „Projektor“ der noch mit der Hand gekurbelt wurde. Hinter einer spanischen Wand saßen der Klavierspieler, der Geiger und der Geräuschemacher. Stand während der Stummfilmzeit mal ein Musikfilm auf dem Programm, blieb dem Kinobesitzer nichts anderes übrig, als ein ganzes Orchester zu verpflichten.
1919, nach dem ersten Weltkrieg, wurde dann im Kino „Lichtspiele“ der erste lange Spielfilm vorgeführt. Dieser Film hieß „Die weiße Sklavin“ und hatte eine Laufzeit von 35 Minuten. Der „Projektor“ wurde mit einem kleinen Elektromotor ausgestattet. Später benötigte man Platz für die Besucher, deren Zahl ständig zunahm. Die Wirtshaustische verschwanden aus dem Kinosaal.
Die „Lichtspiele“ zeigten den ersten Tonfilm 1928. Weil die neue Apparatur für Lichtton nicht zur Verfügung stand, ließ man eine Schallplatte laufen und musste höllisch aufpassen, dass Bild und Ton übereinstimmten. Lief der Film schneller als die Schallplatte gab es im Kinosaal dröhnendes Gelächter.
1934 übernahmen die Röder-Betriebe Sterkrade das Kino an der Bottroper Straße, das 1944 einer Luftmine zum Opfer fiel.
Aus den Kindertagen des Kinos
Die Preise waren zivil. Für 40 Pfennige gab es bis zu 14 Filme und 3 Einlagen. Darunter waren Schlager wie „Auf der Schwelle der Schuld“ – „Schwiegermutter ist misstrauisch“ und „Alle Schuld rächt sich auf Erden“.
Weitere Kassenfüller aus der damaligen Zeit waren „Die Reue des Tauchers“ „Des Stummelfuchers Hochzeit“ „Die alte Wanduhr“ oder „Sturm auf hoher See“.
Kino war früher noch ein Ereignis! Wenn „Die Irrsinnige der Ruinen“ ihr unverdientes Ende gefunden hatte und „Die Rache der Verschmähten“ erfüllt war, hatten unsere Vorfahren das Gefühl, sich wieder einmal glänzend unterhalten zu haben.