Barrierefreie Textversion

Sie sind hier:

Denkmäler in Oberhausen

Discotheken in Oberhausen

Firmen in Oberhausen

Geschichte "im Überblick"

Kinos in Oberhausen

So war es früher

Eine Kinochronik

Die Lichtspieltheater

Kino unter Tage

Kinowerbung

Kinobilder

...und jetzt?

Kinolinks

Zum Thema

Oberhausener Sprache

Unser "75." Jubiläum

Suchen nach:

Allgemein:

Startseite

"Stadt der guten Hoffnung"

Gästebuch

Sitemap

Kontakt

Impressum

Das tiefste Kino der Welt

Auf der Zeche Oberhausen richtete die GHH 1935 eine ständige Werks­ausstellung mit Schaubergwerk ein. Das "Funkturmkaffee" auf der zur Aussichtsplattform umgebauten Seilscheibenbühne ist deutlich zu erkennen.

Das gab es nur in Oberhausen! Ein "Kino in der Unterwelt" oder "Das tiefste Kino der Welt". Im Rahmen ihrer ständigen Werksausstellung auf der 1931 stillgelegten Zeche Oberhausen bot die GHH den staunenden Besuchern die Möglichkeit, in einem Kino, das hundert Personen faßte, 609 Meter unter der Erdoberfläche einen Film über die Arbeit der Bergleute zu sehen. Dieses "Unterweltkino" war mit einer durch den Zweiten Weltkrieg bedingten Unterbrechung bis 1959 in Betrieb.




Am 4. April 1935 erschien im Oberhausener General-Anzeiger folgender Artikel:

Die GHH stellt aus

Kino in der Unterwelt - Glasveranda auf dem Förderturm - Hochofen aus Holz und Pappe -
Vom 15 Millionen kg - Brückenseil zur 0,5 mm - Niete

Der verwandelte Pütt

Werbung der GHH für ihre Werksaustellung 1941

Man braucht nicht gerade zu den ältesten Oberhausenern zu zählen, um zu wissen, welche Bewandtnis es mit der guten alten Zeche da oben an der Essener Straße hat, die den Namen unserer Stadt trägt. Der Pütt, der in den seligen fünfziger Jahren erbaut wurde, erlitt vor einiger Zeit dasselbe Schicksal wie so mancher Menschenkamerad aus dem großen Räderwerk der Arbeit damals: man konnte ihn nicht mehr so recht brauchen, man mußte ihn beiseite schieben. Und so lag er still und verlassen, und mancher, der vorüberging, fragte Förderturm und Gebäude: Wie lange noch, und ihr seid traurige Ruinen, wenn man euch nicht vorher den Gnadenstoß gibt!
Aber siehe da, das Schicksal hatte mit der alten Zeche Oberhausen noch etwas anderes vor. Vor rund zehn Monaten rückten wackere Männer an, etwa 60 an der Zahl, sie fingen an zu gucken, zu messen, zu klopfen, zu pinseln usw., sie schleppten allerlei merkwürdige Dinge heran und begannen in den stillen Hallen, in denen noch die traurig hinterbliebenen Maschinenveteranen dösten, zu räumen und aufzubauen. Das Schachtgerüst wurde ebenfalls neu bepinselt, tief drunten im Bauch der Erde wurden Menschentrupps von Schönheits- und Besenkoller befallen, oben in luftiger Höhe, auf dem Förderturm, entstand ein freundlich-heller Ausguck-Glaskasten, beinahe ein "Funkturmkaffee" im Kleinen, zu dem ein geradezu eleganter Fahrstuhl hinaufführte.

Der Schacht Oberhausen 1 mit der für die Besucher eingerichteten Aussichtsplattform auf der umgebauten Seilscheibenbühne.

Was ging hier vor?
Nun, nachdem besagte 60 eifrige Männer unter ihrem "Dirigenten" Dr. Dienes mit Besen, Pinsel, Hammer und wer weiß was ein fröhliches, aber manchmal auch in Dur erklingendes Arbeitslied musieziert hatten, fand sich die alte Zeche merkwürdig verändert - denn aus ihr war ein Ausstellungsstück geworden! Nicht ein Museum etwa mit alten Klamotten, nein, eine große Schau über alles, was auf der GHH, ihren einzelnen Werken und Betrieben mit Kraft, Fleiß und Genie hergestellt wird.
Wanderer, kommst du zur Essener Straße, so siehst du einen wohlgefegten Zechenplatz, über dem sich der schmucke Förderturm erhebt. Du siehst freundliche Raseneinfassungen, dir fällt gleich ein Staatsstück moderner Technik ins Auge: eine 30 Meter lange Reichsbahnschiene mit Weiche, davor ein weißer Hochspannungsmast und ein roter Pfahl, der in der Höhe die respektable Länge der Schiene anzeigt, deren Herstellung Werkstätten von enormem Ausmaß erfordert. Aber ehe du weitergeleitet wirst, komplimentiert man dich in den Förderkorb hinein, und dann geht es mit ( vorsichtshalber, um deine zarten Nervenbündel zu schonen ) zwei Meter in der Sekunde hinab in den Schlund des schwarzen Schachts, 609 Meter tief. Dort unten spuckt dich der Förderkorb aus, und der seltsame "Bahnhof", auf dem du stehst, ist die 7. Sohle mit dem Flöz Plaßhofsbank, das man freundlicherweise nicht abmontiert hat, um dich zu belehren. Dammtüren siehst du da unten, Transportbänder und Schüttelrutschen - und flinke Grubenbächlein von Unterquellwasser, die von Jacobi - Vondern und Roland herkommen und von hier unten ans Tageslicht gepumpt werden, um oberirdisch jauchzend in die Emscher zu fließen. ( Zwei getrennte Sümpfe hat man für sie angelegt, weil die Brüder sich nicht recht vertragen und bei ihrem Zusammentreffen Schwerspat von sich geben, das die Pumpen vermasselt ). Du darfst mit leisem Gruseln in eine kohlpechrabenschwarze alte Strecke hineinlauern, die hinter dem Türchen des Unterweltkinos verborgen liegt.
Kino? Ja, ein richtiges Kino mit bequemen Klappstuhl-Reihen gibt es hier unten, und der Kinosaal, das ist das Gesteinsgewölbe, ausgebaut mit halbrunden, rot lackierten "Stahlbögen aus symmetrischen Profilen", wie der Fachmann erklärt, und ein solcher Streckenausbau ist das modernste und sicherste, das es bisher darin gibt. In dem Kino werden natürlich Werksfilme laufen, und daß es hier unten hübsch dunkel wird, viel dunkler als in einem gewöhnlichen Oberweltkino, das darfst du glauben!Ich weiß ja nicht, ob der Bergmann einen Klabautermann kennt, aber wenn es sowas gibt wie einen Berggeist mit seinen Trollenkindern, der wird schön Spaß haben über die prächtige Sitzgelegenheit; der alte Spukerich könnte darob schließlich noch gut bürgerliche Angewohnheiten bekommen! ly.