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Oberhausen

Ein Mensch erfuhr nicht ohne Grausen,
er müsse auch nach Oberhausen,
um den dorthin verbannten Wesen
aus seinen Werken vorzulesen.

Er schaute, ob sich das auch lohne,
zuerst mal nach im Lexikone,
und fand dort, wie erwartet, nur,
daß es ein Ort sei an der Ruhr,
mit ein paar Kirchen und drumrum
bloß ein Realgymnasium
sowie den obligaten Banken,
ein Amtsgericht und auch ein Kranken-
Haus und daneben noch ein Waisen-,
sonst nichts. Nur Hütten: alles Eisen!

Der Mensch kam deshalb mit der Bahn
in ziemlich düstrer Stimmung an.
Doch tat ein erster Blick genüge,
daß all das, Gottlob, lauter Lüge.
Er sah den Kern von einer Stadt,
die weiß, wie sie zu wachsen hat.

Es strahlte gleich das Ruhrlandhaus
Kultur nach allen Seiten aus
und überall sah er die Kraft,
die selbst sich ihre Werte schafft
und, wo Geschichte nichts geschenkt,
aus eignem Mut die Zukunft lenkt.

Gestellt auf Eisen und auf Kohlen,
ist sie gewillt, das einzuholen,
was ihre glücklicheren Schwestern
viel leichter sich erworben, gestern.

In Oberhausen leben Leute,
die stark verbunden mit dem Heute
und seinen Mühen, seinen Sorgen. -
Glück auf! der schönen Stadt von morgen.

Eugen Roth
vorgetragen am 11. März 1953 im Rathaus-Saal Oberhausen