Das Kraftwerk Concordia
In den 1950er Jahren setzte im Steinkohlenbergbau an der Ruhr eine Mechanisierungswelle ein, die den Energiebedarf der Grubenbetriebe sprunghaft ansteigen ließ. Ein mechanisierter Abbaubetrieb erforderte damals installierte Motorleistungen in der Größenordnung von 200 kW, die als Druckluftantriebe nur nach sehr kostspieligen Erweiterungen der Kompressoranlagen und des Rohrleitungsnetzes darzustellen waren. Und wenn dann noch in einer Abteilung mehrere solcher "Energiefresser" lagen, zeigten sich die Grenzen der Druckluftversorgung und die Vorteile einer Elektrifizierung sehr deutlich. Deshalb setzte sich die elektrische Energie untertage immer mehr durch.
Gleichzeitig mit dem ansteigenden Eigenbedarf vollzog sich auf den einzelnen Zechen eine interessante Entwicklung: die alten Kesselhäuser mit den vielen Flammrohrkesseln, die den Dampf für den Betrieb der Fördermaschinen, Kompressoren, Grubenlüfter und vieler kleiner Turbogeneratoren erzeugten, wurden zunehmend durch Zechenkraftwerke ersetzt, die in großen Wanderrostkesseln und später auch in Schmelzkammerkesseln überwiegend schwer absetzbare Ballastkohle und Mittelgut verfeuerten. Deshalb produzierten sie den Dampf und damit auch Druckluft und vor allem elektrische Energie viel wirtschaftlicher als herkömmliche Anlagen.
Auch die Energieversorgung der Schachtanlagen Concordia 2/3 und Concordia 4/5 entsprach zu dieser Zeit nicht mehr dem Stand der Technik. Deshalb planten die Ingenieure 1951 an zentraler Stelle, etwa gleich weit von den beiden Schachtanlagen entfernt, auf dem ehemaligen Ziegeleigelände am Kanalhafen ein modernes Kraftwerk. Der Betrieb der Anlage bot für die Concordia die Möglichkeit, neben der Ballastkohle auch Kohlen aus kostengünstig zu gewinnenden Flözen der Eßkohlenpartie, die bisher wegen ihres Aschegehaltes nicht gebaut wurden, zu verfeuern.
Das Kraftwerk sollte vornehmlich die eigenen Betriebe mit Dampf, Druckluft und elektrischer Energie versorgen. Es war aber auch vorgesehen, Überschüsse in das öffentliche Netz einzuspeisen.
Die Bauarbeiten begannen im Juli 1952. Schon am 22. Januar 1954 nahm das Kraftwerk mit einem Kessel und einem Turbogenerator den Betrieb auf.
Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichtete:
Als Mitte 1956 auch die 2. Ausbaustufe fertiggestellt und in Betrieb gegangen war, arbeiteten in der Anlage 3 Kessel, 3 Turbogeneratoren und ein Turbokompressor.
(Abb. 91) Das Kraftwerk im Jahre 1957. Die Rauchgase der drei Kessel wurden in Elektrofiltern entstaubt und dann dem 100 m hohen Kamin zugeführt.
Das Kraftwerk Concordia sollte, wie weiter oben kurz erwähnt, in erster Linie die Schachtanlagen und die Kokerei mit Prozeßdampf und Druckluft versorgen. Diese Betriebe benötigten Dampf mit 12 bar und 320°C und auf 6 bar komprimierte Druckluft. Da es aber wirtschaftlicher war, in großen Kesseln Hochdruckdampf zu erzeugen, entspannte man ihn in Vorschalt-Turbinen auf den benötigten "Zechendruck" und gewann dabei zusätzlich den in den Betrieben benötigten elektrischen Strom. Und das auf der Brennstoffseite praktisch zum Nulltarif.
Die drei von einem zentralen Leitstand gesteuerten Kessel lieferten Dampf mit 84 bar und 525°C. Die gesamte Menge – maximal 300 t/h – durchströmte zuerst die Turbinen einer 18 MW - Maschine und einer 6 MW - Maschine. Dabei entspannte sich der Dampf auf 14 bar. Anschließend trieb er eine 21 WM-Maschine und einen Turbokompressor mit 76 000 cbm/h Leistung an. Der Rest stand den anderen Verbrauchern auf den Zechen und der Kokerei zur Verfügung. Wenn wegen einer Störung an einer der Vorschaltturbinen nicht genug Mitteldruckdampf anfiel, konnte die fehlende Menge über eine Reduzierstation eingespeist werden.
Das Kraftwerk hatte eine installierte elektrische Leistung von 45 000 kW oder 45 MW. Bei voller Auslastung stellte es also täglich mehr als 1 Mill. kWh elektrische Arbeit bereit.
Nach der Stillegung der Concordia-Betriebe beschloß der Zweckverband Gemeinschafts-Müllverbrennungsanlage Niederrhein, dem die Städte Duisburg und Oberhausen angehörten, 1968 den Umbau des Zechenkraftwerks in eine Müllverbrennungsanlage. Die Umbauarbeiten dauerten bis 1972.
(Abb. 92) Das umgebaute Kraftwerk im Jahre 1885. Der alte Kamin wurde später abgebrochen.
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