Die Entwicklung der Stahlindustrie (4)
Auf dem Gebiet der Stahlfabrikation änderte sich in den nächsten Jahrzehnten nichts Grundlegendes. Erst nach 1950 brachten der O2-Stahl und die Einführung der bei der HOAG entwickelten Rotor-Stahlerzeugung den Verbrauchern verbesserte Qualitäten. Schließlich nahm das Unternehmen 1959 die Lizenzherstellung von COR-TEN-Stahl auf, der wegen seiner Legierungszusätze sehr witterungsbeständig ist. Er bildet nämlich auf der Oberfläche eine besonders dichte Oxydschicht, die einen weiteren Rostangriff verhindert. Der „rostige“ Breitflanschträger vor dem Gebäude der ehemaligen Thyssen-Forschung an der Essener Straße lieferte bis Februar 2002 den Beweis für diese Aussage. Dann ließ ein Ästhet das Demonstrationsstück grau anstreichen, weil er offensichtlich die Bedeutung des Rostes nicht kannte …
Im gleichen Maße, wie sich die Produktion von Eisen und Stahl ausweitete, vergrößerten sich auch die Betriebe zu ihrer Weiterverarbeitung. Halbzeugwalzstraßen, neue Block-, Blech- und Drahtwalzwerke, sowie Anlagen zur Herstellung von Radsätzen für die Eisenbahn erweiterten die Liefermöglichkeiten des Unternehmens. Die GHH und später die HOAG brachten die gesamte Hütte im Laufe der Jahre immer wieder auf den neuesten Stand der Technik.
(Abb. 21) In unmittelbarer Nähe der Hochöfen wohnten in den 1920er Jahren Menschen. Am linken Bildrand ist der Fuß der Knappenhalde zu sehen. Zwischen den Häusern und dem Werksgelände verlaufen die Geleise der Köln-Mindener-Eisenbahnstrecke.
(Abb. 22) Ein Blick von Westen nach Osten über die Eisenhütte. Die Häuser im Vordergrund standen auf der Carl-Lueg-Straße, einer Verbindung zwischen der Essener- und der Mülheimer Straße. Im Hintergrund ist das Fördergerüst über dem Schacht 1 der Zeche Oberhausen zu sehen.
Die in den Hochofenbetrieben anfallende flüssige Schlacke wurde in Spezialwagen mit der Eisenbahn auf den "Schlackenberg" transportiert und abgelagert. Nur verhältnismäßig kleine Mengen verarbeitete seit 1927 das Zementwerk. Die Thomas-Schlacke ging dagegen vollständig in die werkseigene Düngemittelproduktion (Thomasphosphat). Heute bietet das Schlackenberg-Gelände als Gewerbegebiet Am Kaisergarten Flächen für die Ansiedlung neuer Betriebe.
(Abb. 24) Das Bild zeigt das Zementwerk 1951 vom Dach des Gasometers aus gesehen. In dem Barackenlager am Rhein-Herne-Kanal waren während des Zweiten Weltkrieges Kriegsgefangene und Ostarbeiter untergebracht. Nach dem Kriege lebten hier Flüchtlinge. Das Lager wurde erst 1959 überflüssig. Über die Kanalbrücke führt die Osterfelder Straße.
(Abb. 25) Der Eingang des Zementwerks nach der Stillegung.
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