Zeche Roland

Die Zeche Roland (3)

Im ersten Jahr arbeiteten auf der Zeche Vereinigte Roland 320 Bergleute, die 52 000 t Kohle zutage brachten. Das waren fördertäglich rund 200 Tonnen, die wegen ihrer guten Qualität zufriedene Abnehmer fanden. Die bis zur Schachtanlage verlängerte Sellerbecker Pferdebahn transportierte die Kohlen in den ersten beiden Betriebsjahren zu den Lagerplätzen an der Ruhr in Mülheim. Dem technischen Fortschritt folgend, wurde die Pferdebahn 1863 auf Lokomotivbetrieb umgestellt.


(Abb. 9 a) Plan der Sellerbecker Bahn aus dem Jahre 1842. Die Lage der Zeche Roland und die Luftlinienverbindung zur Zeche Sellerbeck sind grün nachgetragen. Die Rheinische Eisenbahngesellschaft hat die als "projektiert" eingezeichneten Strecken nicht gebaut.


(Abb. 9 b) Die Planer der Bahntrasse nutzten das hügelige Gelände geschickt aus, denn die Züge rollten ohne zusätzlichen Antrieb zur Ruhr. Im ersten Wagen verhinderte ein Bremser eine zu hohe Geschwindigkeit. Das im letzten Wagen mitfahrende Pferd mußte den leeren Zug bergauf ziehen.


Schon 1857 bekam die Schachtanlage auch einen Anschluß an den Bahnhof Oberhausen. Sie hatte also die Möglichkeit, ihre Produkte sowohl auf dem Wasserweg als auch mit der Eisenbahn zu den Kunden zu transportieren. Die Danziger Straße folgt heute weitgehend der Trasse der Rolandbahn.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging der Massengütertransport immer mehr auf die Schiene über. 1879 mußte sich die Ruhrschiffahrt dem Druck der Konkurrenz beugen und den Betrieb einstellen. Damit verlor Mülheim seine Bedeutung als Umschlagsplatz für Kohlen, weil das neue Verkehrmittel den Ort zunächst nicht erreichte.

Der Bahnhof Oberhausen hatte sich dagegen zu einem Eisenbahnknotenpunkt mit einer Verbindung zum Hafen in (Duisburg-) Ruhrort entwickelt. Deshalb bot es sich an, die Transportrichtung auf der Sellerbecker Bahn umzukehren und auch die Kohlen der Mülheimer Zeche Sellerbeck über die Rolandbahn nach Oberhausen zu transportieren.


(Abb. 10) Auf diesem Stadtplanausschnitt aus dem Jahre 1911 ist die Lage der Zeche Roland und die Trasse der Rolandbahn zu erkennen.


Obgleich nur ein Schacht zur Verfügung stand, genügte die Wettermenge in der Grube in den ersten Betriebsjahren den Vorschriften, weil die Wetterscheider, die die frischen von den verbrauchten Wettern trennten (siehe Bild 3), offensichtlich ziemlich dicht waren. Sie bestanden aus Ziegelsteinfachwerk in U-Eisenrahmen. Um die Frischwetterverluste im Schacht zu begrenzen, hatten die Schachthauer die Fugen zwischen den einzelnen Elementen mit geteerten Segeltuchstreifen abgedichtet.

Dem Stand der Technik entsprechend, erzeugte der Schornstein des Kesselhauses den für die Wetterführung benötigten Unterdruck.

Aber schon 1860 hatte sich der Grubenbetrieb so weit ausgedehnt, daß die ersten Wetterprobleme auftraten. Deshalb beschlossen die Gewerken, einen Abwetterschacht mit 3,1 x 3,1 qm Querschnitt niederbringen zu lassen. Dieser erreichte im 1. Quartal 1861 in 42 m Teufe eine vorher aufgefahrene Wetterstrecke. Hier sorgte ein Wetterofen für den benötigten Unterdruck. Die Wetterscheider im Förderschacht waren nun überflüssig und konnten ausgebaut werden.

Wie ein Wetterofen funktionierte, beschrieb Karl Selbach für den interessierten Leser in seinem 1907 erschienen Buch Illustriertes Handlexikon des Bergwesens so:

Am besten wirkt ein Wetterofen unter einem tiefen Schachte, der als Esse (Anm.: = Kamin) dient, weil dadurch ein hoher Druckunterschied erzeugt wird … Der Wetterofen wird nicht direkt unter, sondern in einiger Entfernung (20 bis 50 m) vom Ausziehschachte angelegt. Er besteht aus einem ausgemauerten, überwölbten Raume, in dem das Brennmaterial auf einem horizontalen Roste verbrannt wird. Von dem Ausziehstrome wird ein Teil abgezweigt und durch den Rost der Feuerung zugeführt. Die Verbrennungsgase gelangen über die Feuerbrücke weg durch einen geneigten Kanal in den Ausziehschacht und erwärmen hier den übrigen Teil der Luft, die den Wetterofen nicht passiert hat. – Durch den Wetterofen darf keine Brandgefahr erwachsen. Er ist daher zur Abkühlung erforderlichen Falles mit Luftkanälen zu umgeben. Zum Ausbau des Ausziehschachtes ist nur Stein und Eisen zu verwenden. Der Ausziehschacht muß trocken sein … Die Erwärmung der ausziehenden Luft wird auf 50 bis 60° C gebracht …

Bedingt durch das relativ kleine Grubenfeld verlagerte sich der Abbau schnell in die Tiefe. 1870 setzten die Schachthauer 253 m unter der Tagesoberfläche im Schacht Roland 1 die 3. Sohle an; 1895 folgte in 357 m Teufe der Anschluß der 4. Sohle.

1897 erwarb die Bergbau- und Schiffahrts-Aktiengesellschaft, vormals Gebrüder Kannengiesser, Ruhrort, die Kuxe der Gewerkschaft Roland. Die Gewerkschaft wurde aufgelöst; auch der Name die Schachtanlage änderte sich: sie hieß nun auch offiziell Zeche Roland. In dem Jahr der Übernahme beschäftigte die Schachtanlage 675 Bergleute und förderte knapp 200 000 t. Mehr als die Hälfte der Produktion war Eßkohle. Ähnlich wie auf den Zechen Concordia 2/3 und Oberhausen gingen auch hier mit zunehmender Teufe die Fettkohlenvorräte zur Neige.

Die Harpener Bergbau AG. übernahm 1904 mit den Aktien der Bergbau- und Schiffahrts-Aktiengesellschaft, vormals Gebrüder Kannengiesser auch die Zeche Roland und baute die Anlage in den nächsten Jahren weiter aus: Die Schachthauer nahmen die Teufarbeiten im Schacht 1 wieder auf. Gleichzeitig lief die Planung einer Brikettfabrik, weil sich die Mager-Feinkohlen nicht immer verkaufen ließen. Für Magerkohlenbriketts war dagegen ein Markt vorhanden. 1906 ging die neue Anlage in Betrieb.

In demselben Jahr stand für die Bewetterung ein leistungsfähiger, elektrisch angetriebener Grubenlüfter zur Verfügung, der in der Minute 3 000 cbm verbrauchte Luft aus der Grube saugen konnte. Das alte Aggregat aus dem Jahre 1881 stand in Reserve.Auch die Wasserhaltung wurde modernisiert. Zwei auf der 5. Sohle in 450 m Teufe installierte Kreiselpumpen mit Elektroantrieb ersetzten 1907 die Gestängewasserhaltung.

Der Schacht Roland 1 erreichte 1912 in 650 m Teufe das Niveau der 6. Sohle.


(Abb. 11) Diese Postkarte zeigt die Zeche Roland um 1910.


So ausgerüstet, stiegen die Förderzahlen bis 1913 auf 250 000 t/a an.

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