COR-TEN-Stahl aus Oberhausen

WAZ vom 27.3.2002

COR-TEN-Stahl

COR-TEN-Stahl ist infolge seiner hohen Witterungsbeständigkeit, seiner Beanspruchbarkeit und seiner guten technologischen Eigenschaften für viele Anwendungsgebiete besonders da geeignet, wo man den Stahl voll ausnutzen und Stahlgewicht einsparen will. Der Stahl wird von bedeutenden Hüttenwerken in der ganzen Welt in Lizenz der United States Steel Corporation (USS) hergestellt. Als erstes deutsches Werk hat Oberhausen (Anm.: gemeint ist die Hüttenwerke Oberhausen AG) Anfang 1959 die Herstellung von COR-TEN-Stahl aufgenommen.
Der Werbeslogan lautet:

COR-TEN-Stahl hält länger und ist daher billiger!

Nachstehend einige Einzelheiten über COR-TEN-Stahl.

Das Rosten des Stahles kostet mehr Geld als man gemeinhin annimmt. Für den Rostschutz werden allein in den Vereinigten Staaten jährlich 5,5 Milliarden Dollar ausgegeben. In der Bundesrepublik sind es über 1,5 Milliarden DM. Diese gewaltigen Summen kennzeichnen die Bedeutung aller auf die Verhütung oder Verminderung der Rostung abzielenden Maßnahmen.

Durch Zulegierung von über 12% Chrom ist es möglich, den Stahl für zahlreiche Anwendungsgebiete rostsicher zu machen. Derartige Stähle sind jedoch so teuer, daß sie als Baustähle kaum noch in Frage kommen. Auf Grund umfangreicher Untersuchungen über den Einfluß von Stahlbegleitelementen auf die Witterungsbeständigkeit, die schon seit 60 Jahren in Deutschland und anderen Ländern durchgeführt werden, sind aber eine Reihe von Stählen mit erhöhter Beständigkeit gegen den Rostangriff entstanden. Der bekannteste dieser Werkstoffe ist gekupferter Stahl mit einem Gehalt von 0,15% Kupfer. Langjährige Naturrostversuche im Hüttenwerk Oberhausen haben gezeigt, daß Kupfergehalte besonders dann wirksam werden, wenn der Stahl gleichzeitig Silizium enthält. Anstriche auf solchen Stählen zeigten die dreifache Haltbarkeit gegenüber den gleichen Anstrichen auf normalen Stählen

Eine bemerkenswert glückliche Abstimmung der Legierungszusätze Kupfer, Phosphor, Silizium, Nickel und Chrom fand 1932 der Amerikaner Saklatwalla, aus dessen Patentanmeldung die United States Steel Corporation einen Stahl entwickelte, der sich sowohl durch bisher nicht gekannte Witterungsbeständigkeit als auch durch hohe Beanspruchbarkeit und beachtliche technologische Eigenschaften auszeichnet. Diesem Werkstoff gab man den Namen COR-TEN-Stahl.
Die Bezeichnung COR-TEN kommt dadurch zustande, daß die erste Silbe COR auf den Rostwiderstand (CORrosion resistance) und die zweite Silbe TEN auf die Zugfestigkeit (TENsile strength) hinweist.
Der Widerstand dieses Stahles gegen Rostangriffe, z.B. in Industrieatmosphäre, ist mehr als viermal so groß wie der eines normalen und mehr als dreimal so groß wie der eines einfach gekupferten Stahles …

COR-TEN-Stahl liegt in Preis höher als vergleichbarer Baustahl mit Kupfer. Durch die weit höhere Haltbarkeit der Anstriche ist aber seine Wirtschaftlichkeit in jedem Fall gegeben.

Auch in unserem Hüttenwerk hat COR-TEN-Stahl seine Bewährungsprobe bestanden, Im Jahre 1951 wurde auf der Hütte ein 10 000-Kubikmeter-Sauerstoffbehälter aus COR-TEN-Stahl gebaut. Der Inhalt des Behälters ist feuchter 73%iger Sauerstoff, ein Gas, das Rohre aus üblichem Stahl im gleichen Behälter bereits in einem Jahr so stark anrostete, daß sie ausgebaut werden mußten. An den Behälterwänden aus COR-TEN-Stahl ist dagegen bis heute noch keine nennenswerte Abtragung festzustellen. Auch für den Bau von Schlackentransportwagen, die im Pendelverkehr zwischen Hochöfen und Zementwerk eingesetzt sind, zeigte sich die Überlegenheit des COR-TEN-Stahles.

Die hohe Rostbeständigkeit der COR-TEN-Stähle ist auf besonders dichte Eisenoxydschichten zurückzuführen, die sich nach kurzer Zeit auf der Stahloberfläche bilden. Diese Sperrschichten verhindern einen weiteren Zutritt der feuchten Atmosphäre zu der metallischen Oberfläche und vermindern oder verhindern dadurch den weiteren Rostangriff.
COR-TEN-Stahl ist ein Baustahl mit den Festigkeitseigenschaften eines Stahles der Güte St 52. Seine Mindeststreckgrenze liegt bei 35 kg/mm2.

Die Verarbeitung von COR-TEN-Stahl durch Kalt- und Warmformgebung ist nicht schwieriger als die eines normalen Baustahls gleicher Festigkeit. Von namhaften Elektrodenherstellern wird der Stahl als "gut schweißbar" und besonders "schweißunempfindlich" beurteilt. COR-TEN-Stahl hält länger und ist daher billiger …

Aus: Echo der Arbeit 4/1960
Werkszeitschrift der Hüttenwerke Oberhausen AG (HOAG)

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