Zeche Alstaden

Waschkauen

Wie sich die Bergleute wuschen, bevor die Zechen in den Mannschaftskauen Brausebäder einführten,beschrieb Karl Selbach in seinem 1907 erschienenen Buch Illustriertes Handlexikon des Bergwesens so:

Die Badeeinrichtung bestand früher in großen, in der Kaue selbst oder in einem Anbau enthaltenen gemauerten, auszementierten Wasserbehältern. Der Wasserstand betrug etwa 1 m. Die Badenden stiegen truppweise hinein und reinigten sich – auch wohl gegenseitig. Wenn auch während des Badens frisches Wasser zu- und schmutziges abfloß, so badete doch die ganze Belegschaft einer Schicht nach und nach so ziemlich in dem nämlichen Wasser, welches bald äußerst schmutzig war und schwarz aussah. Es badete vollständig nackt alles zusammen: Unerwachsene und Erwachsene, der unerwachsene 16 jährige Sohn mit dem Vater. Diese Art war weder appetitlich, noch entsprach sie den Anforderungen der Gesundheitslehre und der Schamhaftigkeit.

Es verwundert also nicht, daß sich die Gemeinschafts-Brausebäder durchsetzten, obgleich einige Moralisten gegen Duschen, die nicht in abgeschlossenen Kabinen installiert waren, opponierten. Zum Beispiel äußerte der Landrat in Recklinghausen, der Geheime Regierungsrat Freiherr von Reitzenstein, seine Bedenken gegen diese fortschrittlichen Kauen in folgender Weise:

Stellt man sich vor, wie sich in solchen Zellen übermütige jugendliche Arbeiter gegenseitig waschen und betasten, so wird man sich in der Tat wohl kaum noch der Befürchtung erwehren können, daß solche Winkel die Ausbrutstätten der abscheulichsten Unsittlichkeiten zu werden geeignet sind.

Offensichtlich waren die Jugendlichen aber besser als ihr Ruf, denn schon zur Jahrhundertwende gab es auf fast allen Revierzechen Waschkauen mit Duschen.

Ab 1. März 1900 mußten auch noch die Nachzügler ihre Kauen modernisieren, denn die Bergbehörde schrieb die Brausebäder verbindlich vor.

Der Kauenwärter reinigt und desinfiziert den Brauseraum einer modernen Kaue.

Unter der Brause "buckeln" sich die Kumpel, das heißt, sie waschen sich gegenseitig den Kohlenstaub vom Rücken.

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