Die Zeche Alstaden
Friedrich Wilhelm Pascha – ein Justizangestellter aus Duisburg – beantragte nach seinen Bohrerfolgen auf der Lipperheide beim zuständigen Bergamt (Essen-) Werden auch einen Schürfschein für einen Distrikt in der Gemeinde Alstaden. Das Geld, welches er durch den Verkauf seiner Mutungen an die Bergbaugesellschaft Concordia verdient hatte, investierte er hier teilweise wieder und ließ in der Nähe der Ruhr einen Bohrturm aufstellen. Gleich die erste Bohrung erreichte am 22. Juni 1851 ein 64 cm dickes Flöz.
Die in Duisburg erscheinende Ruhr- und Duisburger Zeitung berichtete:
… vernehmen wir die höchst wichtige Nachricht, daß heute auch in der Nähe von Duisburg auf dem rechten Ruhrufer ein Kohlenflötz erbohrt worden ist. Es ist dies gewiß in manchen Beziehungen ein höchst wichtiger Punkt, welcher wieder interessante Aufschlüsse über die Flötzlagerung unserer Gegend bieten wird. Unsere alten Bergherren schütteln allerdings nachdenklich mit ihren Häuptern ob so unerwarteten Fundes, dessen sie sich nicht im Träume versehen haben, und die auch noch gar nicht in ihr geognostisches (Anm.: geognostisch = geologisch) System sich hineinfügen will. Indessen, was hilft's? Die Flötze sind da, in früher gar nicht beobachteten Revieren, und alle gelehrte Theorie vermag nicht, sie wegzudemonstrieren. Drum:
"Grau ist alle Theorie,doch grün ist des Lebens goldener Baum!"
Dieser Erfolg ermutigte den Alstadener Gutsbesitzer und Gastwirt Gerhard Stöckmann und den Spediteur und Kohlenhändler Albert de Gruyter aus Ruhrort, gemeinsam mit F.W. Pascha eine Bohrgesellschaft zu gründen. Dieses Konsortium legte in den folgenden Jahren insgesamt 13 Mutungen auf dem Gebiet des Dorfes Alstaden ein. Alstaden gehörte damals noch zur Bürgermeisterei Mülheim-Land.
(Abb. 1) Das Grubenfeld der Zeche Alstaden war mehr als 17 qkm groß, es hatte aber nur im nördlichen Teil bauwürdige Vorräte. Das im Süden liegende Feld Speldorf gehörte nicht zur Zeche Alstaden.
Die Herren Pascha und Stöckmann scheinen nicht ernsthaft am Bau einer Schachtanlage interessiert gewesen zu sein, denn sie verkauften ihre Anteile 1854 an ihren Partner de Gruyter. Dieser wollte die Felder zwar mit Blick auf seinen Kohlenhandel ausbeuten, ihm fehlte aber das benötigte Kapital. Deshalb verhandelte er mit wohlhabenden Geschäftspartnern über eine Beteiligung an dem geplanten Bergbauunternehmen. Albert de Gruyter fand schließlich in Belgien eine Investorengruppe um den Rektor der Universität und Bergakademie Lüttich, Louis Transester, der als anerkannter Fachmann seine Kenntnisse in die am 18. Dezember 1854 gegründete Mülheimer Bergbau-Kommanditgesellschaft Albert de Gruyter & Co einbrachte. Die Gesellschafter ernannten de Gruyter zum Repräsentanten ihrer Firma.Noch im Juni 1855 begannen im Feld Swalmius die Teufarbeiten für einen rechteckigen Schacht mit den lichten Maßen 5,04 x 5,45 qm. Der Ansatzpunkt lag auf dem rechten Ruhrufer etwa 600 m östlich der Köln-Mindener Eisenbahntrasse. Die Schachthauer hatten nicht nur mit geologischen Schwierigkeiten zu kämpfen, außerordentlich starke Wasserzuflüsse erschwerten die Arbeiten zusätzlich.
(Abb. 2) Die Planer teilten den Querschnitt des Schachtes Swalmius so auf, daß neben den beiden Fördertrumen und dem Fahrtrum mit den Fahrten (Fahrte = Leiter) für die Belegschaft noch genügend Platz für das Pumpentrum und für das Abwettertrum blieb. Die Wetterscheider, die die frischen von den verbrauchten Wettern trennten, bestanden aus Ziegelmauerwerk. Das Abwettertrum war mit dem Kamin das Kesselhauses verbunden. Die Größe des Pumpentrums berücksichtigte den Platzbedarf für 2 Pumpensätze mit den erforderlichen Gestängen.



