Die Gutehoffnungshütte Actienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb ging aus drei Wurzeln hervor:Die älteste Eisenhütte im Ruhrgebiet, die St. Antony-Hütte in (Oberhausen-) Osterfeld, nahm 1758 den Betrieb auf. Osterfeld gehörte damals zum Vest Recklinghausen und damit zum Herrschaftsbereich des Erzbischofs von Köln. Ganz in der Nähe entstand 1782 in (Oberhausen-) Sterkrade auf preußischem Boden die Hütte Gute Hoffnung. Als dritter eisenschaffender Betrieb lieferte 1790 die Hütte Neu-Essen in Lippern (heute ein Teil von Alt-Oberhausen) die ersten Gußwaren. Lippern lag auf dem Territorium des Reichsstifts Essen.
Die Lage der drei Hütten um 1800. Die Betriebe schmolzen das in der Nähe vorkommende Raseneisenerz in holzkohlebefeuerten "Hochöfen" und verarbeiteten das so erzeugte Eisen zu Gußwaren. Der Elpenbach und die Emscher lieferten die Wasserkraft für den Antrieb der Blasebälge und der Pochwerke.
1929 wurden die genannten Standorte zur Stadt Oberhausen vereinigt, deshalb führte die Kommune lange nicht ohne Stolz den Beinamen "Wiege der Ruhrindustrie".
Die Besitzer der genannten Eisenhütten, die Herren Gottlob Jacobi, Franz Haniel, Gerhard Haniel und Heinrich Huyssen, gründeten 1808 die Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi Haniel & Huyssen (JH&H). Zwei Jahre später ließen sie den Gesellschaftsvertrag notariell beurkunden.
Jeder Gewerke hielt ein Viertel der Kuxe. Trotzdem kann man von einem "Familienkonzern" sprechen, denn die Teilhaber waren miteinander verschwägert: Jacobi heiratete die Schwester Johanna Sophie der Gebrüder Haniel, diese wiederum führten Huyssens Schwestern Friederike (Franz) und Henriette (Gerhard) zum Traualtar.
Gottlob Jacobi leitete das Unternehmen auf dem technischen Sektor, die Gebrüder Haniel kümmerten sich als Kaufleute um den Absatz der Produkte und die Rohstoffversorgung. Heinrich Huyssen trat nur als stiller Teilhaber in Erscheinung.
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Gottlob Jacobi 1770 – 1823 |
Franz Haniel 1779 – 1868 |
Gerhard Haniel 1774 – 1834 |
Heinrich Huyssen 1779 – 1870 |
Wilhelm Lueg 1792 – 1864 |
Nach dem plötzlichen Tod von Gottlob Jacobi (1823) übernahm Wilhelm Lueg, der schon seit 1817 als Hütteninspektor im Werk gearbeitet hatte, die technische Leitung der drei Betriebe. Damit war Lueg der erste nicht am Unternehmen beteiligte, angestellte "Manager" im Ruhrgebiet. Durch die Heirat mit Wilhelm Haniels Tochter Sophie (1819) gehörte er allerdings ebenfalls zur Familie. Wilhelm Haniel (1764 – 1819) war ein Bruder von Gerhard und Franz Haniel.
Mit Heinrich Huyssen zählte Lueg 1850 zu den Gründern der Bergbaugesellschaft Concordia.
Franz Haniel erkannte schon in den 1830er Jahren, daß es für die Betriebe der JH&H vorteilhaft sei, wenn man sie mit Kohlen aus einem eigenen, in Hüttennähe – also in der Lipperheide – gelegenen Bergwerk beliefern könnte. Weil die an der Ruhr zutage tretenden Flöze nach Norden immer tiefer absanken, ließen sich diese nur durch Schächte erschließen. Der "Pionier des Ruhrbergbaus" bewies den zweifelnden Experten 1832/33 mit dem ersten "Mergelschacht" Franz in (Essen -) Schönebeck, daß die lockeren und wasserführenden Schichten des Deckgebirges kein unüberwindliches Hindernis für den Schachtbau darstellten.
Der 1,55 x 1,24 qm große Schacht erreichte in 56 m Teufe das Karbon und ein knapp 30 cm mächtiges Kohlenflöz. Schacht Franz kam jedoch nicht in Betrieb, weil der Querschnitt für den Einbau einer Fördereinrichtung nicht ausreichte. Er genügte aber zur "Inaugenscheinnahme" des Fundes durch einen Vertreter der Bergbehörde und zur Verleihung des Feldes Franz. In Haniels Schacht Kronprinz von Preußen in Schönebeck durchteuften die Schachthauer 1837 in 106 m Tiefe ein bauwürdiges Magerkohlenflöz. Im Mai 1838 nahm die Schachtanlage Kronprinz als erste "Mergelzeche" die Förderung auf. In den nächsten Jahren wurden die Schwierigkeiten in der Wetterführung und Wasserhaltung immer größer, so daß der Betrieb nicht aus den roten Zahlen herauskam. Als dann auch noch das Gestänge der Wasserhaltungspumpe brach und der Schacht absoff, legte der Alleingewerke Franz Haniel die Zeche am 4. März 1842 still.
Nach dem Tode des Gründungsgewerken Heinrich Huyssen 1870, beschloß die Gewerkenversammlung, die nicht mehr zeitgemäße Gesellschaftsform aufzugeben und die Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel und Huyssen ab dem 1. Januar 1873 in die Gutehoffnungshütte Actienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb (GHH) zu überführen. Die Aktien blieben im Besitz der Gründerfamilien, sie wurden nicht an der Börse gehandelt.
Diese Aktie der Gutehoffnungshütte aus dem Jahre 1873 im Nennwert von 1 000 preußischen Thalern unterschrieben für den Aufsichtsrat Heinrich Wiesner und Max Berthold Haniel, für den Vorstand zeichnete Carl Lueg.
Erster Vorstandsvorsitzender war von 1873 bis 1903 Carl Lueg, ein Sohn von Wilhelm Lueg.
Carl Lueg 1833 - 1905
Hauptverwaltung der Gutehoffnungshütte (heute Essener Straße, Radio NRW)
Kundeninformation 1888
1875 verlegte die GHH ihren Firmensitz von Sterkrade nach Oberhausen.
Lageplan der GHH-Betriebe in den Gemeinden Oberhausen und Osterfeld im Jahre 1910.
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