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Die erste "Hüttenzeche" im Ruhrgebiet

[Gutehoffnungshütte AG]

Die Idee von einer "Hüttenzeche" gab Franz Haniel trotz der großen finanziellen Verluste, die er durch die Schachtanlagen Franz und Kronprinz erlitten hatte, nicht auf. Ihm kam vielmehr das Glück des Tüchtigen zur Hilfe.

Im Jahre 1847 muteten (muten = einen Antrag an die Bergbehörde auf Verleihung eines Grubenfeldes stellen) am Lipperheidenbaum die Herren
Wilhelm Theodor Grillo aus Neumühl
Franz Kleine Brockhoff aus Essen
Robert Klewitz aus Mülheim und
Julius Berghaus aus Mühlheim
die vier aneinanderstoßenden Grubenfelder Neue Hoffnung (Grillo), Vorzug (Kleine Brockhoff), Julius (Klewitz) und Glückauf (Berghaus). Sie konsolidierten (= vereinigten) ihre Mutungen durch den notariellen Vertrag vom 26. Januar 1848 unter dem Namen Königsberg und gründeten gleichzeitig eine gleichnamige Gewerkschaft.

Um die in 150 m Tiefe liegenden Funde durch einen Schacht vorschriftsmäßig "zur bergbehördlichen Inaugenscheinnahme entblößen" zu können, fehlte das nötige Kapital. Deshalb beantragten die Gewerken zur Wahrung ihrer Ansprüche auf die gemuteten Felder beim Bergamt mehrfach eine Fristverlängerung. Schließlich mußten Kleine Brockhoff, Klewitz und Berghaus einsehen, daß die erforderlichen finanziellen Mittel ihre Kräfte überstiegen. Sie gaben 1850 auf und veräußerten ihre Mutungen. Johann Daniel Morian aus Neumühl, ein Schwager von Grillo, kaufte die Mutungen Vorzug und Glückauf und Heinrich Dickmann aus Oberhausen, der schon früher mit Morian zusammengearbeitet hatte, die Mutung Julius.

Ein Jahr später waren folgende Gewerken an den 128 Kuxen der Gewerkschaft Königsberg beteiligt.

D. Morian, Gutsbesitzer in Neumühl, mit 40 Kuxen,
J. F. Wilhelmi, Kaufmann in Essen, mit 32 Kuxen,
H. Dickmann, Gutsbesitzer in Oberhausen, mit 20 Kuxen,
W. Grillo, Fabrikbesitzer in Neumühl, mit 18 Kuxen,
L. Dechamps, Fabrikdirektor in Mülheim a.d. Ruhr, mit 6,5 Kuxen,
J. H. Sonnenschein, Gutsbesitzer in Wasserfall bei Velbert, mit 6 Kuxen,
M. Tigler, Privatier in Ruhrort mit 2 Kuxen,
E. Redelmann, Kaufmann in Mülheim a.d. Ruhr, mit 1,5 Kuxen,
R. Bourdois, Architekt in Mülheim a.d. Ruhr, mit 1 Kux undF. Blomberg, Gutsbesitzer in Oberhausen mit 1 Kux.

Die Gewerken machten jedoch die bittere Erfahrung, daß das vorhandene Kapital immer noch nicht für das Teufen eines Schachtes reichte. Deshalb beschlossen sie im März 1851, für die Gründung der Bergbau-Actien-Gesellschaft Königsberg zu werben. Der Versuch scheiterte, weil sich zu wenig Interessenten meldeten. Damit rückte die erhoffte schnelle Verzinsung des investierten Geldes in weite Ferne. Nur Morian war weiterhin zuversichtlich. Er erwarb nach und nach alle Kuxe und verkaufte sie am 7. Mai 1853 an Franz Haniel.

Dieser informierte die Mitbesitzer der Firma Jacobi Haniel & Huyssen - die Witwe Gerhard Haniels Henriette Haniel, Heinrich Huyssen und Friedrich Jacobi – in einem Brief über den Kauf:

Umstehend überreiche Ihnen Abschrift des gestern Abend mit Herrn D. Morian zum Abschluss gekommenen Vertrage wegen Ankaufe der Muthung Königsberg & darauf gezahlter erster Rate …
… Herrn Morian habe ich mitgetheilt, daß diese Erwerbung für Rechnung unserer Firma erfolgt sey …


(Abb. 1) Die Lage des Grubenfeldes der Zeche Oberhausen. Es reichte im Norden bis an die Emscher und grenzte im Westen an die Zeche Concordia, im Süden an die Zechen Roland und Vereinigte Kronprinz sowie im Osten an die Mutungsfelder Neu-Wesel und König Wilhelm.


Auf der Grundlage dieses Grubenfeldbesitzes und der Tatsache, daß besonders der Eisenbahnbau der Gesellschaft volle Auftragsbücher bescherte, begann die Detailplanung der ersten Hüttenzeche. Die Zeit drängte, denn es war abzusehen, daß der Bedarf an Kohlen für die Dampfmaschinen und Koks für die im Bau befindlichen Kokshochöfen in den nächsten Jahren stetig ansteigen würde. Dabei stellten sich schon jetzt immer häufiger Engpässe bei den Kohlenlieferungen ein, weil die Zechen ihre Förderung nicht wie erforderlich steigern konnten.

Die eigene Schachtanlage dagegen machte die JH&H unabhängig von Fremdlieferungen. Eine solche Selbstversorgung mit Kohle und Koks hatte es bisher bei deutschen Hütten noch nicht gegeben.

Das neue Bergwerk sollte östlich der künftigen Eisenhütte sowohl an der Straße nach Essen als auch an der Köln-Mindener Eisenbahn in der Lipperheide entstehen. Die Planung sah zwei nebeneinanderliegende Schächte mit 6 m Durchmesser und 30 m hohen Malakofftürmen vor, sowie Maschinenhäuser, Kauen, ein Kesselhaus und ein Verwaltungsgebäude. Für den Schachtbau war zur Überwindung der Lockerschichten das Senkschachtverfahren vorgesehen, fünf Steine starkes Ziegelmauerwerk garantierte einen wasserdichten Ausbau in diesem Bereich. Im weiteren Verlauf sollten die Schachthauer bis zum Karbon ein Mauerwerk mit 2½ Steinen Stärke einbringen. Im Steinkohlengebirge reichte nach Ansicht der Fachleute herkömmlicher Holzausbau aus.


(Abb. 2) Dieser Stadtplanausschnitt aus dem Jahre 1928 zeigt die Lage der Zeche Oberhausen und des Wetterschachtes Oberhausen 3.


Um in kürzester Zeit eine möglichst hohe Förderung zu erreichen, gingen die Gewerken mit dem gleichzeitigen Teufen von zwei Schächten ein großes finanzielles Risiko ein, weil bisher in der näheren Umgebung nur wenige Schächte die wasserführenden lockeren Deckgebirgsschichten ohne Schwierigkeiten überwinden konnten.

Im 1. Quartal 1854 begannen die Teufarbeiten für den Schacht Königsberg 1 und im 2. Quartal 1854 erfolgte der erste Spatenstich am Schacht Königsberg 2.

Als beide Baustellen liefen, bestand die Belegschaft aus 14 Bergleuten und 79 Tagelöhnern, zu denen auch die Schmiede und Zimmerleute übertage zählten.

Die Schachthauer senkten die Schächte, wie geplant, durch eine fast 6 m mächtige Kiesbank bis 4 m in eine feste Gesteinsschicht ab. Hier stellten sie jeweils ein Fundament für die gemauerte Schachtsäule her. Diese Arbeiten waren im Schacht Königsberg 1 im zweiten Quartal und im Schacht Königsberg 2 im dritten Quartal 1854 beendet. Die Schachthauer unterbrachen die Schachtarbeiten, damit das 1,25 m dicke Mauerwerk aushärten konnte.

Übertage errichteten die Maurer in dieser Zeit die beiden Schachttürme, in die die Abteufmaschinen und die provisorischen Wasserhaltungspumpen eingebaut wurden. Diese Tätigkeiten dauerten ein Jahr.

Mitte 1855 nahmen die Schachthauer die Arbeiten im Schacht 1 wieder auf. In 110 m Teufe traten Probleme in der Wasserhaltung auf. Deshalb stundete (stunden = vorläufig stillegen) die Betriebsleitung den Teufbetrieb und ließ die endgültige Gestängewasserhaltung installieren.

Am 5. März 1856 sah die Mannschaft im Schacht Königsberg 1 zum ersten Male 140 Meter unterhalb der Rasenhängebank das Steinkohlengebirge und nur einen Meter tiefer ein 25 cm mächtiges Flöz. Eine sofort entnommene Kohlenprobe lieferte einen guten Koks. Der Schacht stand also in der Fettkohlenpartie.

Ende des Jahres erreichte der Grubenbau, nachdem er weitere nicht bauwürdige Flöze durchfahren hatte, ein Flöz mit 2 m Mächtigkeit.

Anfang 1857 setzte die Mannschaft in Schacht 1 bei 196 m unter der Tagesoberfläche die 1. Sohle aus.