Zeche Oberhausen (5)
Nach diesem kurzen Zeitsprung muß der Chronist den geneigten Leser wieder in das Jahr 1899 zurückführen, in dem die Zeche Oberhausen in der Mannschaftskaue Brausebäder installieren ließ. Damit hatten die Betonbassins, in denen die Bergleute bis dahin baden mußten, ausgedient.
In den Schächten nahmen die Schachthauer die Teufarbeiten wieder auf. 1901 erreichten beide Grubenbaue in 609 m Teufe das Niveau der 7. Sohle. Den Verantwortlichen war klar, daß die Statik des Malakoffturms über dem Schacht Oberhausen 2 für eine Förderung von der 7. Sohle nicht ausreichte. Deshalb entschlossen sie sich, das Mauerwerk durch ein eingezogenes Strebengerüst zu entlasten. Auch die Fördermaschine aus dem Jahre 1858 genügte den neuen Anforderungen nicht mehr. Sie wurde durch eine neue Maschine mit 9 m Trommeldurchmesser und versteckbaren Trommeln ersetzt. Dieser Maschinentyp erlaubte eine Zweikorbförderung von allen Sohlen.
(Abb. 16) So zeigte sich die Zeche Oberhausen 1904 dem Betrachter von der Essener Straße aus. Der Malakoffturm über dem Schacht Oberhausen 2 wurde 1901 durch ein eingezogenes Strebengerüst verstärkt.
(Abb. 17) Eine Zwillingsfördermaschine mit versteckbarer Seiltrommel.
In den selben Sitzungen, in denen die Gründung der Zeche Vondern beschlossen wurde, fiel auch die Entscheidung, in Frintrop einen neuen Wetterschacht mit 4,5 m Durchmesser unter dem Namen Oberhausen 3 zu teufen.
(Abb. 18) Zur besseren Orientierung wurde der Standort des Schachtes Oberhausen 3 an der Straße "Kattendahl" in Frintrop auf dem Stadtplanausschnitt markiert. Wegen seiner Lage hieß der Schacht auch zeitweise Schacht Kattendahl.
Noch im Jahre 1903 (am 28. Dezember) begannen die Schachthauer mit dem Teufen. Die Arbeiten verliefen ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Mitte 1904 erreichte die Teufsohle bei 142 m das Karbon, im nächsten Jahr das Niveau der 2. Sohle und 1907 schließlich 384 m unterhalb der Tagesoberfläche die 4. Sohle. In einer Teufe von 396 m stellten die Schachthauer die Arbeiten ein.
(Abb. 19) Die Schachthauer bauten sich in wasserdichter Arbeitskleidung mit ihrem "Gezähe" (Gezähe = Werkzeug) vor dem Fotografen auf. Nur zum Bohren der Sprenglöcher standen druckluftbetriebene Bohrmaschinen zur Verfügung.
(Abb. 20) Auf der Teufsohle wird das gelöste Haufwerk in Kübeln zutage gefördert. Auf dem Bild sehen wir weiter den Ansatz eines neuen Füllortes.
Bis zur Jahrhundertwende gewann die Zeche Oberhausen die Kohlen im Pfeilerbau herein. Bei diesem Verfahren fuhren die Bergleute von einem Bremsberg ausgehend im Abstand von 10 bis 20 Metern in der Kohle Strecken bis zur Markscheide (Markscheide = Grenze des Grubenfeldes) auf und bauten die Pfeiler in Richtung Bremsberg ab. Das ausgekohlte Feld ließen es zu Bruch gehen.Wegen der hohen Kohlenverluste durch die Stützpfeiler und auch wegen der häufigen Unfälle durch Stein- und Kohlenfall führte die Betriebsleitung ab 1901 Zug um Zug den Strebbau ein. Dieser brachte aber noch weitere Vorteile: die Gewinnungsleistung stieg, wegen der nicht mehr benötigten Bremsberge sanken die Kosten, und nicht zuletzt bestand die Möglichkeit, auch geringmächtige Flöze abzubauen.
Die starken Bergschäden an der immer dichter bebauten Tagesoberfläche und die daraus folgenden Kosten zwangen dazu, alle Hohlräume unter Tage zu verfüllen. Das bedeutete aber, daß Berge in die Grube gefördert werden mußten. Daher war der Handvollversatz sehr aufwendig.
(Abb. 21) Diese Postkarte zeigt die Zeche Oberhausen kurz nach der Jahrhundertwende mit Blickrichtung nach Osten. Der Malakoffturm über dem Schacht Oberhausen 2 ist schon durch ein Strebengerüst verstärkt. Über die Brücke im Hintergrund rechts können die Versatzberge von der Halde zurückverladen werden, wenn die Lieferung aus der Aufbereitung nicht ausreicht.
(Abb. 22) In stark einfallenden Streben werden die Versatzberge von der Kopfstrecke aus in den ausgekohlten Raum - den "Alten Mann" - gekippt.
Für den Transport der Kohlen im Streb kamen zunächst Gummigurtförderer zum Einsatz, die über das Liegende (Liegendes = untere Begrenzung des Flözes) schliffen und deren Rücktrum über Rollen am Hangenden (Hangendes = obere Begrenzung des Flözes) geführt wurde. Die Gewinnung erfolgte weiterhin mit der Keilhaue oder durch Sprengarbeit. In regelmäßig abgelagerten Flözen erleichterten Stangenschrämmaschinen den Bergleuten die Arbeit am Kohlenstoß.
(Abb. 23) Die mit Picken besetzte rotierende Stange dieser Maschine schnitt einen etwa 15 cm hohen Schlitz - den Schram - in den Kohlenstoß und lockerte ihn dadurch auf.
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