Zeche Alstaden (2)



De Gruyter berichtete im September 1859 dem Bergamt Werden über den Verlauf der Arbeiten:


(Anmerkung: Die heute nicht mehr gebräuchlichen Maßeinheiten wurden mit folgenden Werten umgerechnet:
1 Lachter = 80 Zoll = 2,09 m | 1 Fuß = 12 Zoll = 0,314 m | 1 Zoll = 0,0262 m | 1 Kubikfuß = 0,031 cbm | 1 Scheffel = 55 kg )


… Nach mannigfachen Schwierigkeiten, welche namentlich in den sehr starken Wasserzuflüssen der nahegelegenen Ruhr begründet waren, und nachdem verschiedene Abteufungsmethoden angewandt worden waren, wurde gegen Ende September 1855 eine Gesamtteufe von 36 Fuß (= 11,16 m) erreicht.
Hier sollte eine Mauer angesetzt und aufgeführt werden, die Wasser vermehrten sich jedoch um diese Zeit durch starkes Regenwetter so bedeutend, und zwar bis zu 400 Cubicfuß (= 12,4 cbm) in der Minute, daß dieselben mit der 25 pferdigen (= 25 PS) Maschine nicht mehr gehalten werden konnten und der Schacht ersoff. Die Aufmauerung unter so starken Wasserzuflüssen flößte wenig Vertrauen auf günstigen Erfolg ein und es wurde beschlossen, innerhalb der früheren starken und aufs neue verstärkten Zimmerung eine Senkmauer einzulassen.
Diese, auf einem eisernen Schuhe aufruhend und aus Niedermendiger Lavasteinen von 12 Zoll (= 31,4 cm) Breite und 17 Zoll (= 44,5 cm) Länge gebildet, wurde an 8 Schraubenbolzen allmählich niedergelassen und die einzelnen Hausteine durch Blei und Eisen verbunden.
Ohne Schwierigkeit ereichte in dieser Weise bis zum 29. Dezember 1855 die Mauerung in vollkommen seigerer (seiger = senkrecht) Stellung den Mergel. Der Zwischenraum zwischen Mauer und Schachtstoß wurde mit Beton ausgeschüttet.
Am 4. Februar 1856 wurde mit dem Auspumpen des Schachtes begonnen, es zeigte sich indessen schon bald, daß die Wasserzuflüsse sich bedeutend vermehrten und Beton mit sich führten. Dieselben hatten sich einen Weg durch den Mergel unter der Schachtmauerung gebrochen.
Die Abteufung des zweiten Schachtes wurde sofort beschlossen, um die Wasserzuflüsse zu teilen und alsdann die Abteufung des jetzigen Schachtes wieder fortsetzen zu können. Dies gelang, am 20. Mai (Anm.:1856) konnte mit der Picotirung (= Abdichtung) unter der Schachtmauerung des ersten resp. jetzigen Schachtes vorgegangen und wenige Tage nachher die Abteufung fortgesetzt werden.
Am 16. Juli (1856) wurde in einer Teufe von 8 Lachter (= 16,72 m) und zwar 2¾ Lachter (= 5,75 m) unter der ersten Schachtmauerung eine zweite Mauer in Niedermendiger Hausteinen angesetzt und am 16. August, an die obere anschließend, mit derselben verbunden.
Die Wasser wurden durch diese sehr glücklich ausgeführte Mauerung so zu sagen gänzlich abgeschlossen. Das weitere Abteufen durch den Kreidemergel erfolgte ohne Schwierigkeit, zumal ein nur ganz geringer Wasserzufluß eintrat.
Eine Ziegelsteinmauerung wurde sofort, nachdem das Steinkohlengebirge (Anm.: 1857 in 71 m Teufe) erreicht war, abwechselnd mit Niedermendiger Steinmauerung aufgeführt und mit dem oberen Teile verbunden.Bei dem weiteren Abteufen erreichten wir in 2½ Lachter (= 5,23 m) im Steinkohlengebirge eine Kluft, welche viel Wasser, durchschnittlich 22 Cubicfuß (= 0,68 cbm) pro Minute, zuführte. Um diese abzusperren, wurde eine 4te Mauer in 11 Lachter (= 22,99 m) im Steinkohlengebirge, aus Niedermendiger Hausteinen, an die auf dem Steinkohlengebirge aufruhende Mauerung angeschlossen, ohne daß jedoch der Zweck erreicht wurde …


Auch in den folgenden Jahren trat an dieser Stelle immer Wasser aus.


Als erstes bauwürdiges Flöz fuhren die Schachthauer in etwa 125 m Teufe das 70 cm dicke Eßkohlenflöz Finefrau in flacher Lagerung an. Das ebenfalls flach abgelagerte, 81 cm mächtige Flöz Geitling 2 erreichten sie 140 m unter der Tagesoberfläche im Jahre 1858. Die Anteilseigner beschlossen, in diesem Niveau die 1. Sohle auffahren zu lassen. Damit kamen im Schacht Swalmius die ersten Kohlen aus den Streckenvortrieben zu Tage.
Im Steinkohlengebirge schien der Schachtbau die größten Hindernisse überwunden zu haben. Bereits im Juni 1859 unterbrach die Mannschaft in 151 m Tiefe die Teufarbeiten und richtete den Grubenbau für die Förderung ein. Während der Schachtarbeiten wurden auch die Gebäude für die Tagesanlagen fertiggestellt und die Kessel und Maschinen eingebaut. An der Ruhr entstand in Nähe der Eisenbahnbrücke ein Hafenbecken mit den erforderlichen Verladeeinrichtungen.







1880 stand über dem Schacht 1 ein Fördergerüst aus Holz.


Albert de Gruyter führte in dem oben angeführten Bericht weiter aus:


Eine Wasserhaltungsmaschine von 150 Pferden (= 150 PS), über der Hängebank basirt (= eingebaut), mit Hochdruck ohne Condensation und Expansion, hält direktwirkend die Wasserzuflüsse.
Die Fördermaschine von 50 Pferden mit liegendem Cylinder ist der Bewerkung einer starken Kohlenförderung gewachsen.
Die hergestellte Einmauerung von fünf Dampfkesseln genügt vollständig den augenblicklichen Verhältnissen der Grube, da stets zwei Kessel außer Betrieb reserviert sein können.
In einem besonderen Gebäude sind Schmiede und Bergmannskaue in der besten und gesündesten Weise aufgeführt …
So lange der Grubenraum noch keine große Ausdehnung hat, genügt der vorhandene Schacht für die Wetterführung.
In denselben und zwar durch alle Abteilungen (Anm.: Abteilung = Trum; siehe Abb. 2), mit Ausnahme des sogenannten besondern Wetterschachtes (= Abwettertrum), fallen die frischen Wetter ein, und zwar bis zur 67 Lachtersohle (= 140 m-Sohle) … und treten durch einen kurzen Verbindungsquerschlag in 60 Lachter (= 125,4 m = Niveau von Flöz Finefrau) in die Wetterabteilung des Schachtes zum Ausziehen zurück.
Letztere Abtheilung ist dicht vermauert, durch Ziegelsteine von 5¾ Zoll (= 15 cm) Länge, welche zwischen die Schachthölzer gelegt worden sind. Der Wetterschacht steht mit dem Kamine in Verbindung …
Zur Ausrichtung des hangenden Flözes Nr. 1 (= Flöz Finefrau) ist von der 67 Lachter- oder Fördersohle (= 140 m), aus der nördlichen Sohlenstrecke des Flözes Nr. 2 (= Flöz Geitling 2) in einer Entfernung von 10 Lachter (= 20,9 m) zum Schachte ein Bremsberg im Gestein aufgehauen worden.
Dieser Bremsschacht hat, bei einem Ansteigen von 20 bis 25 Grad, eine Höhe (= Länge) von 20 Lachter (= 41,8 m) und erlaubt ein Herabgehen der Wagen ohne Gestell; umsomehr als derselbe nach unten hin verflacht ist, so daß die Wagen mit ihrem Inhalte sanfter einlaufen.Der (Brems-) Schacht hat bei 5 Fuß (= 1,55 m) Höhe eine Breite von 10 Fuß (= 3,10 m) und ist somit für 2 Fördertrummen und einem Fahrschacht zur Seite hinlänglicher Raum vorhanden. Am Fuße des Schachtes ist ein Umbruchsraum für Fahrung und Förderung hergerichtet, um jeder Gefahr vorzubeugen.













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